Interview mit Group for Society and Animals Studies und Chimaira AK

by A.R.
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Published on: 10. September 2011

Für die aktuelle Ausgabe (Heft 71, Juli 2011) der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift Tierbefreiung – das aktuelle Tierrechtsmagazin wurden Sonja Buschka von der Group for Society and Animals Studies (GSA) und Sven Wirth von Chimaira – Arbeitskreis für Human-Animal Studies von Redakteuren der Tierbefreiung interviewt.

Mit der Thematisierung von Human-Animal Studies (HAS) in dem mehrseitigen Artikel „Erste Schritte in der Etablierung deutschsprachiger Human-Animal-Studies?“ reagierte die Zeitschrift darauf, dass dieses Forschungsfeld, das in englischsprachigen Ländern bereits etablierter ist, nun auch im deutschsprachigen Raum langsam Fuß zu fassen beginnt. So kam es im vergangenen Jahr zu mehreren Neugründungen: Zum einen gründete sich in Berlin das überregional agierende Netzwerk Chimaira, zum anderen kam es zur Gründung einer Forschungsgruppe mit Anbindung an die Universität Hamburg, die Group for Society and Animals Studies (GSA). Auch weitere Netzwerke gründeten sich, z.B. das Nachwuchsforschernetzwerk Cultural and Literary Animal Studies (CLAS) mit Anbindung an die Uni Würzburg. Zudem konnte in den letzten Jahren eine Zunahme des Veröffentlichungsaufkommens in dem Forschungsfeld sowie des öffentlichen Interesses an der Thematik, z.B. in Form von Zeitungsartikeln oder durch den Einbezug des Themas auf Konferenzen der klassischen Soziologie oder Philosophie, festgestellt werden.

In den Interviews äußerten sich die Vertreter_innen von Chimaira und GSA zur Bedeutung der Human-Animal Studies, zu den beiden neuen Gruppen sowie ihren jeweiligen Zielen und Aktivitäten und zu den beiden Buchprojekten, die aus dem Kreis dieser neuen Gruppierungen heraus in den nächsten Monaten veröffentlicht werden.

Die Group for Society and Animals Studies (GSA) gründete sich aus einem zweisemestrigen Forschungsseminar über das Mensch-Tier-Verhältnis, das in den Jahren 2007/2008 unter Leitung von Prof. Pfau-Effinger an der Universität Hamburg stattfand. Im Anschluss an das Seminar gründeten Prof. Pfau-Effinger, Studierende höherer Fachsemester und Absolvent_innen der Universität Hamburg im Jahr 2010 offiziell die GSA, um sich weiterhin in diesem Forschungsfeld zu betätigen.

Die GSA möchte, so Sonja Buschka im Interview, nicht nur eigene Forschung betreiben und mit eigenen Beiträgen zu internationalen Konferenzen beitragen, sondern auch als Anlauf- und Sammelstelle für Forschungsarbeiten, insbesondere für soziologische Arbeiten, dienen. Auch die Vernetzung und den Austausch von Forschenden sowie die Organisation von Veranstaltungen beschreibt Buschka als Aufgabenfelder der GSA. So organisierte die GSA bereits im Juli diesen Jahres die Tagung „Fleisch essen“ an der Universität Hamburg, bei der sich mit dem Thema Fleischproduktion/Fleischkonsum und seiner Bedeutung für Gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhältnisse auseinandergesetzt wurde. Diese Tagung stellte ein Pre-Conference Event für die 2. internationale Minding-Animals Conference in Utrecht, Niederlande, im Jahr 2012 dar.

Sonja Buschka betont zudem die positive Resonanz von Interessierten und Presse auf die Gründung und die Aktivitäten der GSA.

Der Sammelband der GSA, der unter dem Titel „Gesellschaft und Tiere – Soziologische Analysen zu einem ambivalenten Verhältnis“ voraussichtlich im Februar 2012 im VS Verlag für Sozialwissenschaften erscheinen wird, vereint Beiträge rund um das Thema „Ambivalenzen im gesellschaftlichen Mensch-Tier-Verhältnis“ und enthält sowohl theoretische als auch empirische Arbeiten zum Thema.

Das Netzwerk Chimaira – Arbeitskreis für Human-Animal Studies, dessen Name auf ein (meist Mensch-Tier-)Mischwesen aus der griechischen Mythologie zurückgeht, möchte mit dieser Namensgebung auf Möglichkeiten der Veränderung, Überschreitung und Infragestellung der Mensch-Tier-Grenze aufmerksam machen, die die Gruppe in ihrer Arbeit politisieren und entnaturalisieren möchte. Das Netzwerk ging aus einem zweisemestrigem Projektseminar hervor, das 2009/2010 an der Humboldt-Universität zu Berlin stattfand.

Sven Wirth betont, dass der Arbeitskreis Chimaira dazu beitragen möchte, dass nichtmenschliche Tiere in der wissenschaftlichen Betrachtung als Akteur_innen und nicht – wie dies in der hegemonialen Wissenschaft der Fall ist – als Objekte wahrgenommen werden. Chimaira betrachtet einen Austausch zwischen sozialen Bewegungen und den Wissenschaften als hilfreich und gegenseitig befruchtend und möchte folglich einen solchen Austausch fördern. Das Engagement von Chimaira geht, so Wirth, in eine ähnliche Richtung wie die Betätigungen der GSA, jedoch ist Chimaira nicht an eine Universität angebunden und möchte Akademiker_innen sowie Aktive aus der Tierrechts-/ Tierbefreiungsbewegung überregional vernetzen. Zudem möchte sich Chimaira dafür einsetzen, die Diskussion um Gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhältnisse nicht ausschließlich in der scientific community zu führen, sondern möchte zu einer weiteren gesellschaftlichen Debatte über das Thema beitragen. Neben dem Aufbau und der Betreuung der Website www.human-animal-studies.de, der Organisation von Workshops und Vorträge sowie der Herausgabe weiterer Veröffentlichungen möchte Chimaira auch Forschungsarbeiten in den HAS anstoßen.

Der erste von Chimaira herausgegebene Sammelband erscheint unter dem Titel „Human-Animal Studies – Über die gesellschaftliche Natur von Mensch-Tier-Verhältnissen“ im Oktober 2011 im transcript Verlag. Er enthält neben theoretischen Beiträgen zu den Gesellschaftlichen Mensch-Tier-Verhältnissen aus verschiedensten Disziplinen auch Beiträge zur Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung, die zum Teil auf eigene empirische Forschung zurückgreifen.

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