Netzwerktreffen Cultural and Literary Animal Studies (CLAS), November 2011, Uni Würzburg

Nachwuchsforschernetzwerk Cultural and Literary Animal Studies

09.11.2011-11.11.2011, Universität Würzburg

 

Alexander Kling / Esther Köhring; Prof. Dr. Roland Borgards, Institut
für deutsche Philologie, Lehrstuhl für Neuere deutsche
Literaturgeschichte, Universität Würzburg
09.11.2011-11.11.2011, Würzburg, Würzburg
Deadline: 15.07.2011

Netzwerk/Arbeitstreffen

1. Gegenstand

In den Geistes- und Kulturwissenschaften sind in den letzten Jahren
zunehmend Tiere in den Fokus des Interesses gerückt. So konstituieren
sich derzeit im Zusammenhang mit den angloamerikanischen Animal Studies
und in enger Verbindung zur Wissensgeschichte die Cultural and Literary
Animal Studies (CLAS) als interdisziplinäres Forschungsgebiet.
Insbesondere poststrukturalistische Theoreme (Michel Foucault, Gilles
Deleuze/Felix Guattari, Jacques Derrida, Giorgio Agamben) sowie die
Akteur-Netzwerk-Theorie (Bruno Latour, Donna Haraway) sind dabei von
entscheidender Bedeutung für die Theoriebildung der CLAS.

Die Frage nach der Relevanz von Tieren macht eines klar: Tiere sind
überall, Tiere gehören auf elementare Weise jeder Kultur an, mit und an
Tieren wird Kultur geschaffen. Praktiken der Zucht, der Jagd, des
Experiments sowie Beobachtungsanordnungen wie Menagerie, Zoo oder Zirkus
verdeutlichen sowohl die vielfältigen Macht- und Wissenskomplexe, die
auf Tiere einwirken, als auch die historische Variabilität dieser
Prozeduren. Tiere sind also kulturhistorisch durchformt. Diese
Durchformungen als kulturelle Semiosen lesbar und auf ihre politischen
Implikationen hin durchschaubar zu machen, lässt sich als eine Aufgabe
einer Kulturgeschichte der Tiere formulieren.

Die Hinwendung der Forschung zu Tieren zieht dabei aber auch Fragen nach
dem Status der Tiere als Forschungsgegenstand nach sich: Sind Tiere als
Objekte Einschreibeflächen von Macht- und Wissensprozeduren, oder können
Tiere als Akteure mit Agency verstanden werden? Sind Tiere
ausschließlich durch die Geschichte des Menschen gemacht, oder machen
sie selbst Geschichte? Sind Tiere durch eine Poiesis des Wissens
erzeugt, oder sind sie selbst Generatoren in der Entstehung von Wissen?
Sind sie bloßes Objekt einer Politik der Tiere, oder ist eine Form der
tierlichen Teilhabe an Politik denkbar?

Kulturgeschichten der Tiere arbeiten auf der Materialbasis medialer
Repräsentationen: Tiere hinterlassen selten Artefakte und sind meist nur
über die Zeugnisse des Menschen habhaft zu werden. In einem
wissensgeschichtlichen Rahmen stellt sich damit die Frage, wie
verschiedene Medien, verschiedene Kunstformen und verschiedene
Textgattungen Wissen über Tiere hervorbringen, wie dieses Wissen den
Gegenstand, auf den es zugreift, selbst formt und wie dieses Wissen
popularisiert wird. So narrativiert die Literatur im Modus des ‚als ob‘
Begegnungsgeschichten zwischen Mensch und Tier und beeinflusst auf diese
Weise die Wahrnehmung von Tieren. Literarische Texte (und auch Filme,
Bilder, Musik, Theateraufführungen) sind also am Aufbau und der
Vermittlung des Wissens über Tiere mit beteiligt. Das hat für die
Wissenschaften von den Künsten eine doppelte Konsequenz: Einerseits
prägen künstlerische Artefakte durch ihre Darstellungsverfahren den
Umgang mit tatsächlichen Tieren, andererseits ist durch eine solche
Hypothese die Wissenschaft selbst aufgerufen, sich der Wirkmacht des
eigenen Gegenstandes zu stellen. Damit thematisieren die CLAS neben
historischen auch systematische Problemstellungen.

2. Vernetzung

Das Nachwuchsforschernetzwerk CLAS will Strukturen, Räume und Formate
entwickeln, in denen Promovierende und Postdoktoranden sich über die
Möglichkeiten, Bedingungen und Konsequenzen der CLAS für ihre
Forschungsarbeit austauschen können. Ziel ist die Vernetzung von
Nachwuchswissenschaftlern, die sich mit Fragen der Tiere beschäftigen,
insbesondere in den Disziplinen der Literaturwissenschaften
(Germanistik, Anglistik, Romanistik, Slawistik, Ältere Philologien
usw.), der Philosophie und Geschichtswissenschaft, der Kunstgeschichte,
Musikwissenschaft, Theater-, Film- und Medienwissenschaft usw.
Der (interdisziplinäre) Austausch soll gefördert und darüber hinaus eine
Plattform für Tierdenker geschaffen werden, die sich explizit an den
Interessen von Nachwuchsforschern orientiert. Geplant ist die
Einrichtung einer Homepage und einer Mailingliste zur Vernetzung und
Diskussion, zur Bildung von Interessengruppen und zum Austausch von
Material. Das Nachwuchsforschernetzwerk ist offen für Beteiligte aus den
unterschiedlichen Fachrichtungen und baut auf die gemeinsame
Weiterentwicklung von Ideen und Formaten durch alle Mitglieder.

Zu einem ersten Arbeitstreffen, dessen Grundfinanzierung gesichert ist,
möchten wir möglichst viele Doktoranden und Postdoktoranden vom 9. bis
zum 11. November 2011 nach Würzburg einladen.

Für die Vernetzung sowie für das Arbeitstreffen bitten wir ab sofort und
bis spätestens 15.7.2011 um die Zusendung folgender Informationen: Name,
Projekttitel, Fachrichtung/Forschungsbereich, institutionelle Einbindung
sowie ein Kurzabstract (1000-1500 Zeichen).
Für die Weiterleitung des Aufrufs an mögliche Interessenten danken wir!

Kontakt, Einsendungen, Rückfragen, Anregungen:

Nachwuchsforschernetzwerk Cultural and Literary Animal Studies
Alexander Kling und Esther Köhring
Prof. Dr. Roland Borgards
Institut für deutsche Philologie
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte
Universität Würzburg
netzwerk-clas@germanistik.uni-wuerzburg.de
http://www.ndl1.germanistik.uni-wuerzburg.de/forschung/nachwuchsnetzwerk_cultural_and_literary_animal_studies/

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